Aurora Photo-Walk
März 2005


2005 war ich im März in Sørvågen auf den Lofoten. Die Chance Polarlichter zu sehen ist zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche sehr groß, da die Erde dann eine perfekte Ausrichtung zur Sonne hat. Aber auch bei Tage ist es für Unternehmungen schon lange hell. Es war damals ein sehr schneereicher Winter und ein starker Kontrast zum Niederrhein, wo ich damals wohnte und wo man die Wintertage an einer Hand abzählen konnte. Die Temperaturen lagen zwischen -6°C in der Nacht und bis +6°C bei Tage. Das war vor allem an sonnigen Tagen sehr angenehm und die Nächte zum Fotografieren erträglich.
Nachdem ich im Vorjahr wetterbedingt nur ein einziges Polarlichtbild aufnehmen konnte, hoffte ich, dass ich dieses Mal mehr zu sehen bekomme. Das Wetter war generell nicht so schlecht. Jeden Abend schaute ich aus dem Fenster und wartete. Mit meiner ersten digitalen Spiegelreflex-Kamera, die Canon EOS 10D, hatte ich noch nicht so viele Erfahrungen bezüglich der Nachtfotografie gesammelt, und ich freute mich schon darauf, sie ausgiebig zu testen.
Ich hatte zwei Akkus dabei, einen hatte ich in der Kamera und einen als Reserve in der Hosentasche. Mein einfacher Kabelauslöser von der analogen Kamera passte auch an die EOS 10D. Als Optik verwendete ich ein 20-35 mm Objektiv mit einer Lichtstärke von f / 2.8, welches ebenfalls weiterhin an der digitalen Kamera nutzen konnte. 
Eines Abend war es dann soweit. Bereits gegen 20:00 Uhr war ein grüner Lichterbogen über der Lofotwand auszumachen. Ich schlüpfte schnell in warme Klamotten, die Stulpen über die Hose und Spikes unters Schuhwerk. Ich packte mein Equipment und ab ging es in die dunkle Nacht. Meine Augen mussten sich erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen. Aber so richtig dunkel war es durch den Schnee und die Straßenbeleuchtung eigentlich gar nicht. Ich hatte gelesen, dass man möglichst wenig Umgebungslicht haben sollte, was aber nur bedingt stimmt.


 

POLARLICHTER AUF DEN LOFOTEN

Erste Polarlichter

Ich hatte damals noch keinen wirklichen Plan, wo ich hin laufen sollte. Also erst einmal in die Richtung, wo das Polarlicht zu sehen war. Ich stapfte, den Rucksack auf dem Rücken und die Kamera um den Hals, durch den tiefen Schnee. Das Stativ nahm ich als Wanderstock und stützte mich darauf ab. Die Straße war geräumt aber glatt. Mit den Spikes unter den Schuhen konnte ich aber trotzdem gut laufen. Ich suchte mir einen Platz mit Blick auf den Fjord und die Lofotwand. Dort baute ich auf und machte meine ersten Polarlichtbilder. So richtig gute Sicht hatte ich von dort aus aber nicht, weil Bäume im Weg standen. Ich beschloss in Richtung Wellenbrecher, mit Blick auf Tind und Å, zu gehen. Auf meinen Spuren lief ich zurück, die Straße entlang bis zu einem Abzweig. Von dort ging es weiter über eine kleine Anhöhe und weiter hinunter zum Wellenbrecher. Immer wieder schaute ich an den Himmel und suchte nach Motiven für den Vordergrund, welche ich in meine Bilder mit einbeziehen konnte. Der grüne Polarlichtbogen veränderte sich ständig. Als ich ein Ziel erreicht hatte, war das Polarlicht wieder fast verschwunden. In der Hoffnung, dass es sich wieder stärker zeigt, baute ich mein Equipment an geeigneter Stelle auf und wartete.

Kleiner Polarlichtsturm

Ich schaute gebannt auf den Himmel über Å. Aber da tat sich erst mal nichts. Zunächst bemerkte ich nicht, dass sich ein sehr schönes zweifarbiges Polalrlicht hinter mir über dem Vestfjord aufbaute. Als ich mich umschaute und das sah, machte ich mit der Kamera geschwind einen Schwenk. Das Polarlicht wanderte über mich hinweg, – genau in die Richtung, wo ich es mir gewünscht hatte. Also wieder einen Schwenk in die andere Richtung. Am liebsten hätte ich so viel Weitwinkel gehabt, um den ganzen Bogen aufzunehmen. Dafür war ich aber viel zu nah dran. Zwei Kameras wären toll gewesen, um sie in unterschiedliche Richtungen auszurichten, denn überall flackerte es auf. Während ich das Himmelswerk bewunderte, zählte ich im Stillen die Sekunden.

Akku leer

Wenn die Polarlichter am Himmel glühen, ist es wie eine Sucht. Immer wieder auslösen, um den Moment fest zu halten. Einen Akku hatte ich schon ausgetauscht, der zweite hatte nur noch die halbe Ladung. Analog war das Fotografieren durch die Menge der Filme begrenzt, – digital durch die Menge der Akkus. Die ersten Akkus waren noch nicht so leistungsstark, wie sie es heute sind. Außerdem habe ich damals noch sehr viel auf das briefmarkengroße Display geschaut. Ich musste für die Aufnahmesituation ja erst einmal ein Gefühl bekommen. Also musste ich zurück Energie nachtanken. Auf dem Rückweg machte ich noch einzelne Aufnahmen. Dann war ich wieder am Haus. Ich legte meine Ausrüstung im kalten Vorraum ab, damit sich keine Feuchtigkeit an der Kamera und Optik niederschlagen konnte. Ich plante ja noch mal hinaus zu gehen. Ich lud erst einmal den halbvollen Akku. Der war ja schneller voll. Die Zeit nutzte ich, um die Daten zu überspielen. Ich kochte mir einen heißen Kaffee und wärmte mich an dem noch glimmenden Kaminofen auf.

Akku wieder geladen

Nachdem der erste Akku geladen war, ging ich wieder raus. Den zweiten Akku habe ich währenddessen geladen. Ich habe mich vom Haus erst einmal nicht weit entfernt, um den zweiten Akku dann auch noch mitzunehmen. Das Polarlicht verschwand nicht wie sonst, sondern blieb die ganze Nacht. Hinterm Haus war ein Hügel. Dort suchte ich mir einen schönen Standpunkt. Und ich wollte mein Quartier als Erinnerung mit Polarlicht haben. Danach ging ich zum Hafen runter. Von dort hatte ich einen guten Blick. Aber es gab dort etwas zu viel Licht, was optisch zu Lasten des Polarlichts ging. Ich lief wieder zum Haus zurück, um nach dem Akku zu schauen. Der war zwar noch nicht ganz voll, – es sollte aber reichen. Schließlich war es ja schon ein Stück nach Mitternacht.
Ich lief zu der Stelle, wo ich meine Tour begonnen hatte. Ich ging dieses Mal aber etwas weiter hinunter zum Wasser, um einen besseren Blick auf den Vestfjord und Lofotwand zu haben. Nachdem ich ein paar Fotos gemacht hatte, ging ich noch bis zum Ende der Straße, wo ein Wendehammer war und ein Weg zum Leuchtturm "Glåppenfyr". Der war aber nicht ausgetreten und es war mir zu riskant im Dunklen ggf. fehl zu treten. Ich kannte den Weg bei Tage und wusste, dass zwischen ein paar Felsbrocken Löcher waren. Langsam mischten sich Wolken ins Polarlicht und der Halbmond schien helle. Ich war mir sicher. Der Ausflug in die Nacht hatte sich gelohnt. Gegen 2:00 Uhr nachts war ich wieder zu Hause, habe noch meine Daten gesichert, kurz geschaut und bin dann etwas verfroren ins Bett gegangen.

Fazit des Fotowalks
Was habe ich gelernt? Was kann ich verbessern?

In der Nachbetrachtung meines ersten Polarlicht-Fotowalks, hab ich mir verschiedene Fragen gestellt. Wie ist es gelaufen, was kann ich verbessern und was habe ich falsch gemacht?

Zu analogen Zeiten war man ja nur auf wenige Aufnahmen beschränkt. Ich habe zwar schon mehr Fotos gemacht, war aber noch  sehr verhalten was die Menge an Fotos anbetrifft. Das analoge Denken musste ich erst noch ablegen. Dann war ich von den Polarlichtern so begeistert, dass ich meine Kameraeinstellungen gar nicht verändert habe. Wie ihr seht habe ich mit Blende f 8.0 fotografiert und somit viel Licht oder Zeit verschenkt. Die ISO-Werte hatte ich auch noch nicht verinnerlicht. In einem Artikel las ich später etwas über Bildrauschen. Das war mir bis dahin nicht bekannt und ich habe auch nichts gesehen. Erst bei der geeigneten Bildbearbeitungssoftware erkannte ich wovon die Rede war. Bei übertriebener Bildbearbeitung sieht man sogar die Sensorstruktur. Bei allen folgenden Kameras habe ich die jeweiligen ISO-Grenzwerte ausgelotet.

Aber zurück zu dem Fotowalk: Bei meinem einfachen Fernauslöser musste ich noch die Sekunden zählen. Das war das erste, was ich geändert habe. Ich laufte einen Kabelauslöser mit Timerfunktion, der mit half Belichtungszeiten besser zu steuern. Ein dritter Akku wurde auch angeschafft. Meine Aufnahmen hatte ich oft auch nicht ganz in Waage ausgerichtet, was in der Begradigung zu Lasten des Bildinhaltes ging. Dafür nahm ich bei der nächsten Tour eine Libelle mit.